Fensterbankorchideen

Fotografieren von Orchideenblüten

Es ist nicht die gute Kamera die tolle Fotos macht, es ist der Fotograf der seine Ausrüstung beherrscht und zur rechten Zeit am rechten Ort ist.

Meine Ausrüstung

Fotoapparat

Von 2004 bis Mitte 2008 habe ich mit einer Sony DSC-F828 Kamera und dem Ringlicht Sony HVL-RLA fotografiert. In den Jahren 2009 und 2010 mit einer Canon SX100IS und 2011 und 2012 mit einer Canon SX20IS.

Sony DSC-F828 Ringlicht CANON SX100IS Canon Power Shot SX20IS

Beim Umstieg von der analogen auf die digitale Fotografie habe ich mir die Sony DSC-F828 Kamera gekauft. Sie diente mir als allgemeine Ausrüstung in allen Lebenslagen und stellte damit immer auch ein Kompromiss dar. Nachdem ich Jahre lang einen schweren Fotorucksack mit mehreren Wechselobjektiven mit mir herumgeschleppte, hatte ich mit dieser Kamera beim Umstieg auf Digital meine Ausrüstung deutlich verkleinert. Mit der CANON SX100IS ist die Ausrüstung dann nochmals kleiner geworden. Zwischen September 2010 und Ende 2012 hatte ich eine Canon Power Shot SX20IS, welche wieder etwas grösser war; die Qualität des 20-fach Zoomobjektivs hat mich aber nicht überzeugt.

Seit anfangs 2013 habe ich eine Canon Power Shot G15.

Canon Power Shot G15

Die Kamera ist, wie alle digitalen Kompakt- und Bridekameras, nicht sonderlich gut für Makroaufnahmen geeignet, für die Aufnahmen von Orchideenblüten mit grossen und mittelgrossen Blüten reicht es aber. Da in diesen Kameras kleine Sensoren mit hoher Pixeldichte eingebaut sind, haben sie eine grosse Tiefenschärfe. Für die gestalterische Fotografie ist dies zwar weniger erwünscht, für Makroaufnahmen ist es aber vorteilhaft.
Beim Fotografieren arbeite ich meist mit der automatischen Scharfeinstellung und versuche, auf einen Blütenteil scharf zu stellen, der distanzmässig etwa in der Mitte der Blüte liegt. Bei Blüten mit einer grossen Tiefe ist es oft schwierig, den richtigen Fokuspunkt zu finden. Wegen der grossen Tiefenschärfe der Digitalkameras und der beschränke Auflösung des Bildschirms ist die manuelle Scharfeinstellung leider auch schwierig. Oftmals braucht es mehrere Versuche, bis man ein befriedigendes Bild hat.

Das grösste Handicap aller digitalen Kompakt- und Bridekameras ist der Umstand, dass Makroaufnahmen mit einem brauchbaren Abbildungsmassstab nur bei der kürzesten Brennweiteneinstellung möglich sind. Dies ist der Punkt, wo die Objektivkonstruktion den kürzesten Auszug hat. Für die Aufnahme von kleinen Blüten muss man damit recht nahe an das Objekt heran, und die Beleuchtung stellt eine grössere Herausforderung dar. Bei Verwendung des internen Blitzgeräts wird meist ein Teil des Motivs durch das Objektiv abgeschattet, was zu unbrauchbaren Bildern führt.

Nach einigem Experimentieren habe ich aber eine einfache Möglichkeit gefunden, zu einer brauchbaren Ausleuchtung zu kommen. Bei der Aufnahme halte ich im vorderen Bereich des Objektivs ein weisses Blatt vor den Blitz; siehe nachfolgendes Bild.

Aufbau

Der Blitz bestrahlt nun das Blatt, welches als grossflächiger Strahler wirkt. Das Blatt darf dazu nicht zu dick und muss weiss sein, um Farbverfälschungen zu vermeiden. Das Blatt muss so gehalten werden, dass der Blitz nicht stellenweise neben dem Blatt durch leuchtet. Um eine bessere Abschirmung des direkten Blitzlichts zu erreichen, kann das Papier entsprechend zugeschnitten werden. Die Beleuchtung über die grössere Blattfläche gibt ein weicheres Licht, als ein direkter Blitz. Diese Methode ist zwar sicher nicht perfekt, bezüglich Kosten-/Nutzenverhältnis aber kaum zu überbieten.
Eine andere, teurere Möglichkeit ist die Verwendung eines externen und mit einem Kabel abgesetzten Blitzes, falls die Kamera einen Blitzschuh hat und ein passendes Blitzgerät und Synchronkabel erhältlich sind. Dabei wird das Blitzgerät am besten so positioniert, dass das Licht von oben und etwas von vorne auf die Blüte auftritt. Das Blitzgerät sollte, bei automatischer Belichtungssteuerung, nicht zu nahe bei der Blüte sein, da sonst überbelichtete Bilder entstehen können. Ein Diffusor auf dem Blitzgerät schafft ein etwas weicheres Licht.

Da die Bilder für ins Internet ohnehin verkleinert werden müssen, kann ich, alternativ zur Verkleinerung, auch einen Bildausschnitt benutzen, was für kleine Blüten zusätzliche Möglichkeiten bietet. Die Bilder für die Homepage werden gegenüber den Originalen auf etwa 1/4 verkleinert. Somit habe ich auch die Möglichkeit, einen Ausschnitt von 1/4 des Originalbildes zu benutzen, und erhalte, im Vergleich zum Vorgehen mit dem ganzen Bild, eine "4-mal grössere Abbildung" mit vergleichbarer Qualität.

Neben der Kamera braucht es natürlich noch etwas Zubehör. Das Nützlichste ist wohl ein Stativ. Ich verwende ein Manfrotto 055CB mit einem Neigekopf, das ich schon mit meiner analogen Ausrüstung hatte.

Damit die Bilder der verschiedenen Orchideenblüten ähnlich aufgenommen sind, richte ich auf meinem Schreibtisch immer den gleichen Aufbau ein. Der einfarbige Hintergrund hat den Vorteil, dass keine unnötigen Elemente den Bildaufbau stören. Aktuell benutze ich einen anthrazitfarbenen Hintergrundkarton, ich habe aber auch schon mit grünem und schwarzem Hintergrund gearbeitet.

Das eingebaute Blitzgerät der Canon Power Shot G15 ist, wie die meisten solcher Blitzgeräte, nicht sonderlich leistungsfähig. Für die Fälle, wo die Blitzleistung des eingebauten Blitzgeräts nicht ausreicht, z.B. bei den Bildern der Fensterbänke auf der Seite "Standorte", habe ich zusätzlich ein externes Blitzgerät Canon Speedlight 270EX. Dieses ist deutlich leistungsfähiger, ist aber auch etwas ein "Batteriefresser". Für Aufnahmen in Innenräumen leistet aber ein besseres Blitzgerät gute Dienste!

USB Mikroskop

Refelcta USB Mikroskop

Zum Aufnehmen von sehr kleinen Blüten, kann man sich auch ein sogenanntes USB Mikroskop anschaffen. Die meisten Modelle haben eine integrierte Beleuchtung mit LEDs. Beim Fotografieren hat man das Problem, dass mit zunehmendem Abbildungsmassstab die Tiefenschärfe abnimmt. Beim Aufnehmen von sehr kleinen Blüten, z.B. mit dem USB Mikroskop, kann unter Umständen nicht mehr die ganze Blüte scharf abgebildet werden. Man muss dann entscheiden, wo die Schärfeebene liegen soll. Um die Schärfeebene etwas besser einstellen zu können, ist die Verwendung eines Einstellschlittens empfehlenswert.

USB Mikroskop auf Schiene

Das Bild zeigt, das Reflecta USB Mikroskop auf einem Einstellschlitten montiert. Mit so einem USB Mikroskop können natürlich auch andere Aufnahmen gemacht werden. Zum Beispiel können Blattschäden oder Schädlinge etwas genauer angesehen werden. Man kann auch Einzelheiten von Blüten grösser darstellen, was teilweise faszinierende Bilder ergibt. Zu Beginn braucht das Arbeiten mit so einem Gerät aber etwas Geduld, bis man den Umgang damit etwas im Griff hat.

Die nachfolgenden Bilder zeigen ein paar Aufnahmen, die mit dem USB Mikroskop gemacht wurden.

Phalaenopsis Antherenkkappe
Phalaenopsis Antherenkkappe
Phalaenopsis Lippe
Phalaenopsis Lippe
Phalaenopsis Lippendetail
Phalaenopsis Lippendetail
Paphiopedilum Pollinium
Paphiopedilum Pollinium

Die Bildqualität des USB Mikroskops ist zwar deutlich schlechter, als diejenige der Canon Kamera, für den Einsatzzweck, kleine Dinge überhaupt darstellen zu können, reicht es aber.

Bemerkung zu den Blütenbildern:
Alle auf diesen Seiten veröffentlichten Orchideenbilder habe ich selbst aufgenommen. Die Blütenstände sind dabei immer bei mir gewachsene, und nie von neuen, blühend gekauften Pflanzen. Die abgebildeten Orchideen bekomme ich also selbst, mehr oder weniger regelmässig, wieder zum Blühen.

Bildbearbeitung

Um den Aufwand für die Bildbearbeitung auf ein Minimum zu reduzieren, versuche ich, wenn immer möglich, den Bildausschnitt und die Belichtung bereits bei der Aufnahme richtig festzulegen. Da man bei der Digitalfotografie ohne Kostenfolge mehrere Bilder machen und nur das Beste weiterverwenden kann, mache ich Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen und Ausschnitten und suche mir danach am Computer das beste Bild aus. Wie ich weiter oben schon beschrieben habe, müssen die Bilder für die Homepage verkleinert werden. Dies erledige ich mit dem Freewareprogramm IrfanView (http://www.irfanview.com/), das ich hiermit gerade empfehlen möchte.