Fensterbankorchideen

Pflanzenkauf

Pahiopedilum Maudiae alba

Allgemeines

Durch die Kulturbedingungen auf der Fensterbank (z.B. wenig Luftfeuchtigkeit und/oder Frischluft) ist die Auswahl der Pflanzen eingeschränkt.

Als "Fensterbänkler" sollte man nie spontan Pflanzen kaufen, nur weil einem die Blüten so gut gefallen!!!

Es ist zwingend notwendig, vorher abzuklären, ob man die Pflanze unter den gegebenen Bedingungen bei sich überhaupt halten kann. Der Verkäufer bestätigt dies gerne (zu schnell) einmal, da er ja etwas verkaufen will. Unter "Arten & Hybriden" weiter unten auf dieser Seite findet man eine Aufstellung von möglichen Gattungen und Hybriden, welche auf der Fensterbank eine Überlebenschance haben, die erste Anhaltspunkte geben kann.

Kauft man Pflanzen, welche die Bedingungen des eigenen Standorts nicht vertragen, sind diese einem mehr oder weniger schnellen Tod geweiht. Man hat schlussendlich auch wenig Freude an dieser Pflanze, da sie kaum mehr zur Blüte kommt, bald nicht mehr schön aussieht und anfällig für Schädlinge wird.

Solange man noch wenig Erfahrung in der Haltung und Pflege von Orchideen hat, ist es nicht empfehlenswert, speziell teure Pflanzen zu kaufen, da das Risiko eines Verlusts noch zu gross ist.

Alle Pflanzen, welche man kauft, müssen sich zuerst an den neuen Standort gewöhnen. Bei grösseren Unterschieden zwischen dem alten und neuen Standort (z.B. Treibhaus zu Fensterbank), hat die Pflanze auch mehr Probleme mit der Umstellung. Die verschiedenen Orchideengattungen und sogar verschiedene Arten innerhalb einer Gattung reagieren dabei unterschiedlich stark auf solche Umstellungen.

Hybriden sind oftmals leichter zu halten, als Naturformen.

Beim Kauf von Pflanzen im Ausland, muss man auf die jeweiligen Vorschriften für die Ein- und Ausfuhr von Pflanzen und insbesondere von Orchideen achten. Für die Einfuhr braucht es oftmals bestimmte Dokumente z.B. CITES-Zertifikate und/oder Gesundheitszeugnisse. Ohne die richtigen Dokumente kann es bei der Grenzkontrolle zu mehr oder weniger grossen Problemen kommen. Verstösse gegen das Artenschutzgesetz werden teilweise hart bestraft.

Hinweise für die Umstellung von Neuzugängen

Zu diesem Thema gibt es sehr unterschiedliche Meinungen, welche zwischen den Extremen "Alle Pflanzen sofort umtopfen" bis "Pflanzen so lange wie möglich im Originalzustand belassen" liegen. Ich möchte dazu nachfolgend etwas differenziertere Empfehlungen abgeben.

Pflanzen aus Grossgärtnereien

In Grossgärtnereien werden die Pflanzen unter möglichst optimalen Bedingungen, mit möglichst geringem Personalaufwand und möglichst schnell zu einer blühfähigen Grösse herangezogen. Dies hat die Konsequenz, dass die Pflanzen oft in einem Substrat stehen, welches für die Pflege auf der Fensterbank ungeeignet ist, und dass die Pflanzen beim Standortwechsel grössere Änderungen in den Umgebungsbedingungen zu verkraften haben. Dazu kommt erschwerend, dass man derartige Pflanzen meist bei Grossverteilern kauft, wo sie während der Zeit, in der sie im Geschäft stehen, meist (viel) zu nass gehalten werden, so dass die Wurzeln oftmals schon geschädigt sind. Pflanzen die bereits fast aus dem Topf fallen (keine gesunden Wurzeln mehr) oder die bereits Fäulniserscheinungen zeigen, sollte man ohnehin nicht kaufen.

Pflanzt man eine derartige Pflanze nach dem Kauf gerade noch um, besteht die Gefahr, dass sie durch den Schock der Umstellung (neuer Standort + Umtopfen) im Wachstum stark zurückgeworfen wird oder sogar eingeht. Lässt man sie im Originalsubstrat und giesst normal weiter besteht die Gefahr, dass einem die Pflanze durch Fäulnis zu Grunde geht.

Ich empfehle für solche Pflanzen folgendes Vorgehen:

Nach einer Kontrolle auf Schädlinge wird die Pflanze an ihren zukünftigen Standort gestellt und nicht mehr gegossen, bis das Substrat abgetrocknet ist. Danach wird im normalen Giessrhythmus gegossen aber nur so viel, dass die Pflanze bis zum nächsten Giessen sicher wieder abgetrocknet ist. Lieber zu wenig als zu viel Wasser; dies fördert die Bildung neuer Wurzeln. Zur Unterstützung der Umstellung kann man die Pflanze morgens eventuell leicht besprühen, so dass die Blätter feucht (aber nicht tropfnass!) sind. Dies hilft vor allem Pflanzen welche keine oder zu wenige gesunde Wurzeln haben.

Stellt man an der Pflanze Fäulnisanzeichen fest, wird sofort umgetopft und alle Fäulnisstellen gründlich entfernt.

Sieht man, dass die Pflanze neues Wachstum zeigt und neue Wurzeln bildet, ist ein günstiger Zeitpunkt für das Umtopfen gekommen. Die Pflanze sollte dann umgetopft werden, wenn die neuen Wurzeln bereits eine gewisse Länge (1 cm - 2 cm) erreicht haben aber bevor die Wurzeln so lange sind, dass beim Umtopfen die Gefahr besteht, dass man sie gerade wieder abbricht, was man dringend vermeiden sollte!!!

Nach dem Umtopfen braucht die Pflanze eine gewisse Zeit, bis sie im neuen Substrat genügend neue Wurzeln gebildet hat. In dieser Zeit kann es, bei Pflanzen, die fast keine Wurzeln haben, notwendig sein, dass man sie morgens leicht übersprüht. Nach wenigen Wochen sollte die Pflanze im neuen Substrat angewachsen sein und mit der normalen Pflege zurecht kommen.

Pflanzen von Kleinbetrieben/Privaten

Je nach Herkunft der Pflanze, sind diese in einem sehr unterschiedlichen Zustand. Den Pflanzen ist aber gemeinsam, dass sie nicht unter derart stark optimierten Bedingungen gehalten wurden, wie die Pflanzen in den Grossgärtnereien, so dass die Umstellung durch den Standortwechsel meist nicht so gravierend ist. Oft stehen die Pflanzen auch in einem für die Fensterbankkultur besser geeigneten Substrat.

Für diese Pflanzen empfehle ich folgendes Vorgehen:

Ist das Substrat zersetzt, zu dicht, verkalkt, mit Moos bewachsen oder hat man eine Pflanze "geerbt", welche sich in einem schlechten Zustand befindet, topft man sie besser gleich um.

Machen Substrat und Pflanze einen gesunden Eindruck, kann man die Pflanze, nach einer Kontrolle auf Schädlinge, an ihren zukünftigen Standort stellen und normal pflegen. Zeigt die Pflanze nach einiger Zeit doch Probleme, oder bleibt das Substrat bei der eigenen Giessmethode zu lange nass, sollte man die Pflanze bei nächster Gelegenheit umtopfen.

Geeignete Gattungen und Hybriden

Paphiopedilum Amerikaner-Hybride

Zuerst nochmals die wichtige Regel:

Als "Fensterbänkler" sollte man nie Pflanzen kaufen, nur weil einem die Blüten so gut gefallen!!!

Durch die Kulturbedingungen auf der Fensterbank (z.B. meist zu wenig Luftfeuchtigkeit) ist die Auswahl der Pflanzen eingeschränkt.

Auf einer nach Westen gerichteten Fensterbank eines beheizten Wohnraums, in welchem die Luft im Winter durch einen Luftbefeuchter auf einen, für den Menschen behaglichen Wert, zwischen 50% und 60% befeuchtet wird, können nach meinen Erfahrungen die nachfolgend aufgeführten Orchideengattungen und Hybriden gepflegt werden.

Gattungen und Hybriden

Die Pflanzen werden dabei in Plastiktöpfen in einem gut durchlässigen Substrat gehalten und während der Wachstumszeit ca. einmal pro Woche gegossen. Im Winter wird nur etwa alle 10 bis 14 Tage Wasser gegeben. Pflanzen, die eine strenge Ruhezeit benötigen, werden nur so viel gegossen, dass ihre Bulben nicht zu stark schrumpfen und in dieser Zeit nötigenfalls ans kühlere Schlafzimmerfenster gestellt.

Die Pflege von aufgebundenen Exemplaren auf der Fensterbank ist sehr schwierig, aufwändig und damit nicht empfehlenswert!