Fensterbankorchideen

Umtopfen

Der Umtopfrhythmus sollte etwa bei zwei/drei Jahren liegen.

Wichtige Regel: Wenn nicht zwingende Gründe vorliegen, sollte man nie in gesundes Pflanzengewebe schneiden. Sollte dies trotzdem einmal notwendig sein, z.B. zu Vermehrungszwecken oder um faulende Stellen zu beseitigen, sind die Schneidewerkzeuge vor jedem Schnitt zu desinfizieren, entweder durch Abflammen oder durch Reinigung mit Alkohol!!

Tipps zum Umtopfen

Der beste Umpflanzzeitpunkt liegt bei Beginn des neuen Wachstums. Dies ist auf der Fensterbank bei den meisten Pflanzen im Frühjahr der Fall. Man pflanzt am besten dann um, wenn die Pflanzen bereits kurze neue Wurzeln gebildet haben, diese aber noch nicht so lange sind, dass sie beim Umtopfen abbrechen, was unbedingt vermieden werden muss. Das Umpflanzen während der Ruhezeit ist nicht empfehlenswert.

Zeigt eine Pflanze ernsthafte Krankheitszeichen, sollte sie unabhängig von der aktuellen Jahreszeit umgetopft werden. Lieber eine gerettete Pflanze, welche nach dem Umtopfen etwas länger braucht, bis sie sich erholt hat, als einen Totalverlust. Wenn man die wenigen, oben genannten Tipps beachtet und etwas Verständnis für die Pflanze besitzt, ergibt sich der Zeitpunkt fast von selbst.

So wird's gemacht

Psychopsis papilio

Die Pflanze wird vorsichtig aus dem Topf herausgenommen. Frisch gegossene Pflanzen lösen sich leichter aus dem Topf als trockene. Das alte Substrat sollte möglichst vollständig entfernt werden. An Wurzeln festgewachsene und nicht zersetzte Substratstücke belässt man besser an den Wurzeln, als diese zu verletzen.

Danach werden faule, matschige und ganz vertrocknete Wurzeln und Pflanzenteile entfernt. Normalerweise sollten es die ältesten Wurzeln und Bulben sein, die entfernt werden müssen. Die neuen Wurzeln dürfen dabei nicht beschädigt werden.

Die Grösse des neuen Topfes sollte so gewählt werden, dass die verbleibenden Wurzeln in den Topf hineinpassen. Lieber einen zu kleinen als einen zu grossen Topf wählen, da das Substrat in zu grossen Töpfen oft zu lange nass bleibt, und die Wurzeln zu faulen beginnen.

Die Orchideen, welche an einem Rhizom jährlich einen neuen Trieb bilden (z.B. Cattleya, Dendrobium), werden mit dem Neutrieb gegen die Mitte des Topfes gesetzt so, dass die Pflanze möglichst zwei Jahre wachsen kann, ohne am Topfrand anzukommen oder gar darüber hinaus zu wachsen. Unter Umständen kann ein grösserer Topf notwendig sein.

Orchideenarten, welche an einer Sprossachse immer weiter in die Höhe wachsen (z.B. Ascocentrum, Phalaenopsis, Paphiopedilum, Vanda), werden in die Mitte des Topfes gesetzt. Bei ausgewachsenen Pflanzen kann, nach einer gründlichen Reinigung, meist der gleiche Topf weiter verwendet werden.

Um die Gefahr von Staunässe zu vermindern, ist, vor allem bei hohen Töpfen, eine Dränage unten im Topf sinnvoll. Als Material kann man Tonscherben, Blähton und ähnliches verwenden. Anschliessend wird das frische Substrat in den Topf gefüllt. Es muss dabei zwischen die alten Wurzeln gelangen. Auch hierbei dürfen die neuen Wurzeln nicht beschädigt werden. Leichtes Schütteln und Klopfen fördert das Hinunterfallen des Materials. Wenn die alten Wurzeln zusammengedrückt werden, können sie zu faulen beginnen. Es muss möglichst sorgfältig gearbeitet werden.

Häufigster Fehler beim Umtopfen ist, dass die Pflanze zu hoch oder zu tief gesetzt wird. Bei Pflanzen mit gut sichtbarem Rhizom sollte dieses bündig mit der Substratoberfläche zu liegen kommen. Bei allen anderen Pflanzen sollte der Wurzelhals gerade mit Pflanzstoff bedeckt sein. Falls die Pflanzen nicht gut stehen, stützt man sie mit Stäben, bis sie im neuen Substrat angewachsen sind.

Beim Umtopfen kann es leicht zu Beschädigungen der Wurzeln kommen. Durch offene Wunden finden Krankheitserreger (Bakterien und Viren) leicht Eintritt in die Pflanze. Da dieser Vorgang fast nur mit Hilfe von Wasser möglich ist, sollte man frisch umgetopfte Pflanzen in den ersten paar Tagen nicht giessen. Die Pflanzen erholen sich schneller und wachsen leichter an, wenn sie nach dem Umtopfen gelegentlich morgens leicht übersprüht werden.

Welches Substrat?

In Gartenzentren und gelegentlich auch im Verkaufsprogramm von Grossverteilern findet man Fertigmischungen für Orchideen. Bisher habe ich aber nur selten eine derartige Mischung gefunden, welche meiner Meinung nach für eine längere, erfolgreiche Kultur von epiphytischen Orchideen auf der Fensterbank geeignet gewesen wäre. Zudem ist der Preis dieser Mischungen meist recht hoch. In letzter Zeit hat mir die Orchideenerde der Wyss Gartencenter den besten Eindruck gemacht. Da diese aber relativ viel feines Material enthält, bleibt sie recht lange nass, was nicht allen Orchideen gefällt. Gegebenenfalls kann man dieses Substrat durch Beigabe eines nicht wasserspeichernden Bestandteiles, z.B. Korkschrot, etwas auflockern.

In spezialisierten Orchideengärtnereien kann man oft auch Substrat zum Umtopfen seiner Pflanzen kaufen. Je nach Kulturmethode dieser Orchideengärtnerei, kann ein solches Substrat durchaus geeignet sein. Man muss vor allem darauf achten, dass das Substrat zu den eigenen Giessgewohnheiten passt. Hat man eine grössere Menge Pflanzen, welche man umtopfen muss, wird die Beschaffung des Substrates in der Orchideengärtnerei aber oft recht teuer.

In den letzten Jahren ist das Besgrow Orchiata Orchideensubstrat aufgekommen, welches aus reiner Rinde besteht. Dieses gibt es in verschiedenen Körnungen, so dass man für Orchideen, die es feuchter mögen, einfach ein feineres Substrat verwenden kann, als für die Orchideen, deren Wurzeln es eher trockener mögen. Dieses Substrat ist in der Schweiz offenbar nur in spezialisierten Orchideengärtnereien erhältlich und die Originalpackung enthält 40l Substrat und ist auch nicht ganz billig. Ich habe noch nicht so viel Erfahrung mit diesem Substrat, so dass ich es nicht abschliessend beurteilen kann, die Rinde macht aber einen guten Eindruck.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich sein Substrat selbst herzustellen. In praktisch jedem Orchideenbuch findet man eine Auflistung der verschiedenen Bestandteile, welche man zur Herstellung eines Substrates verwenden kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht allzu viele Bestandteile braucht. In Gartenzentern gibt es verschiedene Abdeckmaterialien auf Rindenbasis. Findet man eines das sauberes, nicht fermentiertes, nicht chemisch behandeltes und nicht durchnässtes Rindenmaterial (nicht Fichte und Holzschnitzel) enthält, ist dies eine gute Basis für eine eigene Mischung. Diese Rinde wird wenn nötig getrocknet. Anschliessend wird sie mit einem Sieb mit Maschen von 5 mm bis 10 mm Durchmesser (z.B. ein altes Salatsieb) gesiebt, damit das ganz feine Material entfernt ist. Das feine Material kann man in Blumenerde mischen oder in Gartenbeete einarbeiten. Das saubere und vor allem trockene Rindenmaterial kann in den ursprünglichen Sack zurück gefüllt werden. Je nach Grösse des verarbeiteten Sacks reicht diese Rinde mehrere Jahre.
Für den laufenden Verbrauch füllt man eine kleinere Menge der Rinde in einen kleineren Sack, gibt die weiteren Bestandteile des Substrates bei und befeuchtet dieses Substrat. Als weitere Teile verwende ich Seramis oder Perlit als Wasser speicherndes Element mit einem Anteil von ca. 10 % und Kork und eventuell Holzkohle mit einem Anteil von je ca. 5 %. Diese Mischung kann für die meisten epiphytischen Orchideen verwendet werden. Da die Mischung nicht homogen ist, kann man bei Pflanzen, welche wenig Nässe an den Wurzeln ertragen, eher gröbere Teile nehmen und bei Pflanzen, welche etwas mehr Feuchte lieben, eher feineres Material heraussuchen. Eventuell muss man die Rindenstücke auch noch etwas zerkleinern.

Für Pflanzen, welche ihre Wurzeln gar nicht gerne in einem Substrat haben (z.B. Aerides, Ascocentrum, Vanda), kann man dem Substrat zusätzlich Material beigeben, welches kein Wasser speichert (z.B. Styropor, zerkleinerte Korkzapfen).

Für Frauenschuhorchideen und andere terrestrisch lebende Pflanzen ist es oft notwendig, zusätzliches Wasser speicherndes Material (z.B. grobfaseriger Torf oder zerkleinertes Sphagnum) beizufügen. Dieses Vorgehen kann unter Umständen auch bei epiphytisch lebenden Pflanzen (z.B. Phalaenopsis) notwendig sein, falls die Töpfe zu rasch austrocknen.

Auf diese Weise kann man sich ein eigenes Substrat herstellen und dieses durch verändern der Anteile der verschiedenen Bestandteile den Bedürfnissen der Pflanzen und den eigenen Kulturgewohnheiten anpassen. Sicher bedeutet dies einen gewissen Aufwand, man ist dafür aber unabhängig von einem Lieferanten und hat nicht das Problem, dass man unter Umständen jedes Mal eine ganz andere Mischung erhält.